Software-Entwicklung und Scrum – wenn aus Chaos Ordnung erwächst

Gut, dass es Chaos gibt. Denn ohne Chaos gäbe es keine Ordnung. So der Grundtenor der Chaosforschung – die sich strukturlosen Dynamiken widmet, aus denen Ordnungen und Regelmäßigkeiten entstehen. Chaos wird demnach auch nicht mit Zerfall oder Sinnlosigkeit in Verbindung gebracht, sondern mit Evolution, Neuordnung sowie Innovation. Das verdeutlich sich sehr gut an der Entstehung unseres Sonnensystems, das wie auf dem Reißbrett geplant wirkt. Denn am Anfang war nur eines da: unzählige Kollisionen von Materie. Ein absolutes Chaos.

Mit Aufräumen zur Netflix-Serie

Ohne Chaos keine Strukturgebung. Ein Prinzip, das sich auch – um ein lebensnahes Beispiel zu nennen – auf den Erfolg der aktuell omnipräsenten Marie Kondō übertragen lässt. Sie wissen schon, diese zierliche Japanerin, die gerade dabei ist, uns Chaoten das Aufräumen beizubringen. Literaturwelterfolg und eigene Netflix-Serie inklusive. Nach der sogenannten „Konmari-Methode“ sollen wir uns von allen Gegenständen, die uns nicht glücklich machen und nicht benötigt werden, trennen. Und dem, was uns wirklich etwas bedeutet oder gebraucht wird, einen leicht zugänglichen, platzsparenden oder exponierten Ort zuweisen. Die Philosophie dahinter: Ein geordnetes Zuhause führt zu einem geordneten Leben, zu einer unbeschwerten Seele – und damit zu mehr Erfolg.

Die verdichtete Ordnung

Und auch die Arbeitswelt – im Speziellen im Bereich von Softwareprojekten – hat ein entsprechendes chaostheoretisches Pendent: Projektmanagementmethoden wie das seit einigen Jahren angewandte Scrum-Konzept. „Scrum“ bedeutet auf Deutsch „Gedränge“ – und bezieht sich auf die verdichtete Ordnung beim Rugby-Sport. Enge Zusammenarbeit und eine klar definierte Aufgabenverteilung als strukturgebendes und erfolgversprechendes Konzept.

Das Problem unklarer und starrer Hierarchien

Erdacht wurde die Methode vor dem Hintergrund, dass insbesondere Softwareprojekte immer wieder scheiterten oder zumindest in große Schwierigkeiten gerieten. Zu spät, zu teuer, falsche Features, die der Kunden nicht „bestellt“ hat, und mangelhafte Qualität. Chaos eben.

Oftmals Schuld hieran sind unklare oder starre Hierarchien, konzeptlose Meeting-Strukturen und undefinierte Artefakte wie verwirrende, nicht einheitlich geführte Product Backlogs. Ebenfalls ein Klassiker: Es wird zu viel auf einmal gewollt. Das passiert in Start-ups und etablierten Unternehmen gleichermaßen. Das wissen auch die Agile Coaches aus Berlin, die Scrum-Schulungen regelmäßig anbieten. Hierzu Agile Coach Anton Skornyakov: „Als Product Owner ist man verpflichtet, bestehende Prozesse immer wieder zu überprüfen. Reicht das, was wir machen – oder eben nicht? Das Ziel muss zwingend im Auge behalten werden.“

Die drei Rollen

Im ordnenden Scrum-System gibt es drei spezifische Rollen, die derartige Schwierigkeiten verhindern sollen: den Product Owner, der fachliche Anforderungen stellt und diese priorisiert, den Scrum Master, der den Prozess managt und Hindernisse beseitigt, sowie das entwickelnde Team. Zusätzlich gibt es hierzu noch – als Beobachter sowie Ratgeber – die Stakeholder beziehungsweise Kunden; diese werden ebenfalls in die Entwicklung miteinbezogen.

Die Hoheit hat der Product Owner. Seine Aufgabe ist es, den Wert der Arbeit der Entwicklungsteams zu maximieren. Er bestimmt, was entwickelt wird. Sein Hauptwerkzeug ist hierbei der Product Backlog, eine Liste von allen Arbeitspaketen, die für die Zukunft geplant sind. Trotz seiner Verantwortung und Entscheidungsbefugnis ist ein Product Owner aber kein Despot, sondern stets erster Ansprechpartner für Ideen und Kritik rund um das Produkt. Was das Team für den Erfolg benötigt, muss er dabei genauso wissen. „Als Product Owner habe ich nicht nur die Verantwortung für die Anforderungen, sondern auch dafür, dass das Team alle benötigen Informationen bekommt“, resümiert Skornyakov.

„Aus einer Lösung entsteht keine Lösung“

Eine besondere Herausforderung an einen Product Owner ist zudem die Fähigkeit, Arbeitspakete so zu vermitteln, dass sie keine Lösung vorgeben. Das ist wichtig, um den kreativen Prozess des Entwicklerteams nicht einzuschränken. Skornyakov: „Aus einer Lösung entsteht keine Lösung.“ Ein Product Owner beschäftigt sich ausschließlich mit den Herausforderungen sowie Problemen der Kunden – mit denen er immerwährend in Kontakt ist. Unabdingbar für ihn ist folglich auch die Eignung, komplexe Themen einfach und verständlich sowie spannend vermitteln zu können; angepasst an die jeweilige Zuhörerschaft. Und das immer wieder – erweitert um neue, sich aus dem Entwicklungsprozess heraus ergebene Facetten.

Schließlich der Scrum Master. Seine Funktion ist es, dafür zu sorgen, dass das Team möglichst effektiv und ungestört arbeiten kann. Er hilft dem Product Owner auch dabei, Gruppenprozesse souverän zu meistern. Ohnehin benötigt ein Scrum Master psychologische Fähigkeiten. Er kennt die Sorgen, Fragen und Herausforderungen des Product Owners und weiß, mit persönlichen Konflikten im Entwicklungsteam umzugehen. In schwierigen Momenten kann er auch einfach nur ein wohlwollender Zuhörer sein. Dadurch werden alle Beteiligten nicht nur in fachlicher, sondern auch in menschlicher Hinsicht unterstützt. Ein ganz wichtiger Aspekt.

Vier Parameter beschreiben das gesamte System

Das ganze System lässt sich grundsätzlich auf vier Parameter reduzieren (Marie Kondō wäre stolz):

  1. Individuen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge.
  2. Funktionierende Software ist wichtiger als umfassende Dokumentation.
  3. Zusammenarbeit mit dem Kunden ist wichtiger als Vertragsverhandlungen.
  4. Reagieren auf Veränderung ist wichtiger als das Befolgen eines Plans.
Jedes zweite Unternehmen

Inzwischen nutzt jedes zweite deutsche IT-Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitern Projektmanagementmethoden wie Scrum. Unter den Firmen mit mindestens 2.000 Mitarbeitern sind es sogar 56 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Bitkom-Befragung im Auftrag des Personaldienstleisters Etengo hervor. Und auch wir von JITpay™ arbeiten mit dem Scrum-Konzept.

Zu Scrum gibt es aber auch Alternativen wie die klassische Wasserfall-Methode, die insbesondere bei Projekten, deren Aufgaben voneinander abhängig und nur von kurzer Dauer sind, angewandt wird. Oder das stark auf Visualisierungen und „Feedbackschleifen“ ausgelegte Kanban-System. Allen Systemen gemein ist ein ordnender, strukturierender Ansatz.

Das letzte Wort an dieser Stelle soll aber wieder die Naturwissenschaft respektive Albert Einstein haben: „Es genügt nicht, den Menschen zu einem Spezialisten zu erziehen. Damit würde man aus ihm einen gut dressierten Hund machen.“

Wir von JITpay™ verfolgen alle Trends und Entwicklungen in den Bereichen Digitalisierung, FinTech und Logistik 4.0. Wie sie – auch im Kontext aktueller logistischer Herausforderungen wie Fahrermangel und Laderaumknappheit – Ihre individuellen Abrechnungsprozesse in der Logistik optimal und einfach digitalisieren und dabei Liquidität sicherstellen können, zeigen wir Ihnen von JITpay™ gern auf.

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JITpay™ digitalisiert die Abrechnungsprozesse in der Logistik. Im Rahmen der Zentralabrechnung (ZAL®) übernimmt JITpay™ die Abrechnung sämtlicher Logistikkosten für Versender, Speditionen und Fuhrunternehmen. Die Zentralabrechnung kombiniert JITpay™ mit einem eigenen Supply-Chain-Finance-Produkt, das die sofortige Bezahlung der Leistungserbringer ermöglicht. Versender und Speditionen erhalten hierdurch die Möglichkeit, flexible Zahlungsbedingungen zu vereinbaren. Als FinTech und Logistik-Start-up setzt JITpay™ modernste Technologien ein und verfügt über effiziente digitale Geschäftsprozesse. Dabei kooperiert JITpay™ mit starken traditionellen Partnern sowie mit innovativen Technologieanbietern. Gründer und Geschäftsführer der in Braunschweig ansässigen Firma sind Dr. Daniel Steinke, Boris-Michael Steinke sowie Dennis Wallenda, die zusammen über mehr als 50 Jahre Erfahrung in den Bereichen Logistik, IT und Financial Services verfügen.

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